Gefälschte Daten in Japans Bauwirtschaft – Auf Sand gebaut

Die Baufirma Asahi Kasei hat bei Hunderten von Bauten die Testdaten von Pfählungen gefälscht. In einem so erdbebengefährdeten Land wie Japan erschüttert dies das Vertrauen in die ganze Bauwirtschaft.

Verbreitete Praxis

Vorgefallen sind die Schummeleien bei Asahi Construction Materials, einer Tochterfirma des Mischkonzerns Asahi Kasei, mit so unterschiedlichen Geschäftsbereichen wie Chemie, Fertighäuser, Fundament-Systeme und Gesundheit. Die Sparte «Häuser und Baumaterialien» trug im ersten Halbjahr 2015 (bis Ende September) je rund 30% zum Gesamtumsatz von 957 Mrd. Yen (7,8 Mrd. Fr.) und operativen Gewinn von 84 Mrd. Yen bei. Seit die ersten Probleme publik wurden, hat die Aktie von Asahi Kasei einen Fünftel eingebüsst.

Schwer wiegt für das Unternehmen, dass es sich bei den Fälschungen nicht wie zuerst angenommen um das Vergehen eines Einzelnen handelt; laut Bericht haben 50 Arbeiter Daten gefälscht oder sie von anderen Projekten kopiert. Und die Praxis scheint selbst in anderen Unternehmen gang und gäbe: Ebenfalls am Freitag erklärte Japan Piling, dass man 18 Fälle von falschen Daten zu Pfählungen entdeckt habe. Dies gibt dem Skandal eine neue Dimension. Laut der Wirtschaftszeitung «Nikkei» beherrscht Japan Piling einen Viertel des Markts; Asahi Kasei kommt auf 2%.

Asahi Kasei meint, es seien Lappalien wie Druckerprobleme dafür verantwortlich, dass die Testdaten fehlten. Der Vorarbeiter von Yokohama hat ausgesagt, dass er die Tests nicht wie in solchen Fällen angezeigt wiederholt habe, weil er sich keine Verzögerungen bei den Projekten leisten konnte. Der Zeitdruck in der Baubranche ist zurzeit gross; die Unternehmer melden eine so hohe Auslastung wie schon lange nicht mehr. Viele Bauarbeiten, etwa jene an Schutzwällen in der Region des Tsunami von 2011, sowie die Vorbereitungen auf die Olympischen Sommerspiele in Tokio 2020 füllen die Auftragsbücher.

Die Baukonzerne Shimizu und Taisei − sie sind nach jetzigem Stand nicht in den Pfählungsskandal verwickelt − haben dieser Tage ihre Gewinnprognosen fürs laufende Jahr kräftig nach oben revidiert. Die Gewinne sollen soll so hoch ausfallen wie seit den frühen neunziger Jahren nicht mehr. Taisei warnte aber davor, dass es sowohl bei Material als auch den Arbeitern Engpässe gebe. Damit haben skrupellose Bauunternehmer einen Anreiz, laufende Projekte so rasch als möglich fertigzustellen.

Gefahr bei Erdbeben

Die Schummeleien bei der Erdbebensicherheit sind in den japanischen Medien ein grosses Thema, denn die Auswirkungen sind potenziell riesig. Die japanischen Grossstädte liegen fast alle am Meer, ganze Stadtteile sind auf aufgeschüttetem Land gebaut. Dieses kann sich bei schweren Erdbeben verflüssigen; in Tokio war das letztmals beim Erdbeben vom März 2011 in grösserem Stil zu sehen. Daher müssen die Pfähle, auf denen die Gebäude stehen, sicher auf dem darunterliegenden festen Grund abgestützt sein. Verschlimmert wird die Lage dadurch, dass sich unter den Gebäuden mit zweifelhaften Fundamenten auch Spitäler, Schulen öffentliche Verwaltungen befinden. Ihr Funktionieren ist bei Katastrophen von grösster Bedeutung. 602 solche Gebäude hat Asahi Kasei in den letzten zehn Jahren gebaut, in 63 Fällen entpuppten sich die Pfählungsdaten als falsch.

Abgesehen vom Gebäude in Yokohama, das sich zur Seite neigt und abgerissen werden muss, sind bis anhin keine statischen Probleme bekannt. Ob die betroffenen Gebäude wirklich unsicher sind und ob sie allenfalls repariert werden können, ist noch unklar. Dasselbe gilt für die Haftung − Asahi Kasei war als Auftragnehmer mehrerer Generalunternehmer tätig.

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