Tsunami in Japan Wasseranstieg wurde vermutlich durch Erdrutsch verstärkt

Der Tsunami in Japan wurde durch ein starkes Seebeben ausgelöst. Die zum Teil sehr hohen Wellen deuten allerdings darauf hin, dass der Tsunami lokal durch eine submarine Rutschung verstärkt wurde.
  • von Sven Titz
  • 7.10.2014, 05:30 Uhr

Lokal liefen die Wellen nach dem Tsunami im Jahr 2011 viel höher auf als erwartet. Möglicherweise wurden sie durch eine Hangrutschung verstärkt.

Auch dreieinhalb Jahre nach dem riesigen Tsunami, der Teile der japanischen Ostküste verheerte, veröffentlichen Forscher immer neue Studien zu der Katastrophe. Zu den offenen Fragen zählt unter anderem, warum die Wellen am Küstenabschnitt in den Präfekturen Iwate und Miyagi deutlich höher aufgelaufen sind als nördlich und südlich davon. Das Wasser stieg dort bis zu 40 Meter über den Durchschnittspegel. Jetzt hat ein Forscherteam eine mögliche Erklärung gefunden.¹ Ein von dem Seebeben ausgelöster submariner Erdrutsch könnte den Tsunami an der Küste erheblich verstärkt haben . Der Erdrutsch habe den Tsunami ungefähr auf das Doppelte des durch das Seebeben erklärbaren Wertes erhöht, sagt Stéphan Grilli von der University of Rhode Island, einer der Mitautoren der Studie.

Schon früher hatten Untersuchungen japanischer Wissenschafter darauf hingedeutet, dass es in der Umgebung des Megabebens von 2011 unterseeische Erdrutsche gegeben hat, die sich auf den Tsunami ausgewirkt haben könnten. Doch der genaue Ablauf war diffus geblieben. Die Forscher um David Tappin vom British Geological Survey wollten nun klären, ob ein Beben und ein anschliessender Erdrutsch tatsächlich einen Tsunami auslösen können, der die an der Küste beobachteten Merkmale aufweist. Dazu nutzten sie neben einem Computermodell für die Tsunami-Ausbreitung auch die Messdaten, die damals mit Bojen und Seismometern aufgezeichnet worden waren. Ausserdem werteten sie Vermessungen des Meeresbodens aus, die Hinweise auf eine Rutschung lieferten. Nach der neuen Studie war dieser Erdrutsch mit einem Volumen von ungefähr 500 Kubikkilometern viel grösser und ereignete sich weiter nördlich, als von anderen Forschern angenommen worden war.

Rätselhaft an dem Tsunami von 2011 sind abgesehen von seiner Höhe an der Küste auch die schnellen Schwankungen des Pegels. Von dem vertikalen Versatz des Meeresbodens durch das Beben wurden sie offenbar nicht verursacht. Denn bei dem Beben hat sich eine so grosse Zone verschoben, dass nur langsame, langgezogene Wellen ausgelöst werden konnten. Besser zu den schnellen Wellen passt das Gebiet des neu ermittelten unterseeischen Erdrutsches, das 40 mal 20 Kilometer misst. Grilli nimmt an, dass die submarine Erdbewegung Wellen mit einer Periodendauer von drei bis vier Minuten hervorgerufen hat. Ähnliche Schwankungen hat man in den Pegelmessungen an der Küste tatsächlich gefunden. Insgesamt passen die Tsunami-Ausbreitungsrechnungen des Teams um Tappin deutlich besser als früher zu den Beobachtungen von 2011.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Abschätzung der Tsunami-Gefahr in Japan überarbeitet werden muss. Demnach ist vor allem an der Küste von Iwate und Miyagi generell mit ungewöhnlich hohen Tsunamis zu rechnen, die nicht mit der Stärke eines Seebebens allein zu erklären sind. Das japanische Warnsystem ist auf diese Verstärkung von Tsunamis durch unterseeische Erdrutsche nicht ausgelegt und unterschätzt die Gefahr. Laut Grilli könnten spezielle Radarsysteme eine Vorwarnung liefern, bevor der Tsunami auf die Küste trifft; diese Systeme befinden sich aber erst in der Entwicklung

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